Ausstellungseröffnung in Anwesenheit der Kunstschaffenden // Englisch, Deutsch

Freitag , 10.September 16:30 – 18:30
Palais Palett (Meschwitzstraße 9, 01099 Dresden)

In Anwesenheit jener Künstler:innen, denen eine Anreise möglich war, wurde unsere Ausstellung feierlich eröffnet. Die Auswahl der gezeigten Beiträge spiegelten das breite Spektrum an inhaltlichen Facetten, die uns nach der Ausschreibung des Festivalthemas erreicht haben. Dabei wurden ebenso  lateinamerikanische Perspektiven zu den „Inklusiven Territorien“ gezeigt, wie die Gedanken hierzu von lokalen Künstler:innen. Die Gesamtheit der Ausstellungsbeiträge zeigten den Besucher:innen  die vielschichtigen möglichen Sichtweisen auf das Thema und erweiterten zugleich die inhaltliche Auseinandersetzung unserer Workshops auf kreative Weise. In einem 2-stündigen Rundgang durch die Ausstellung erhielten Künstler:innen und Besuchende Gelegenheit für einen Austausch über die Exponate und deren Inhalte. Fragen, Gedanken und Bezüge der Ausstellungsbeiträge zu den Inklusiven Territorien wurden geteilt und vertieft. Jede der anwesenden Künstler:innen bekam die Möglichkeit etwas über sich und den Kontext des gezeigten Werks zu erzählen. Die Ausstellung war während der drei Festivaltage auf dem Gelände frei zugänglich zu besichtigen.

Exponate
The Water (Gemäldeserie)

KÜNSTLER:IN – Maria Carolina Brijaldo Garzon

In ihren Kunstwerken thematisiert die Künstlerin, wie der legale und illegale Bergbau Kolumbien überrollt. Und somit fragile und komplexe Ökosysteme gefährdet. Aber auch gesellschaftliche Bindungen und Solidarität torpediert, indem Menschen entwurzelt werden, die seit Jahrtausenden das Land bearbeiten haben, welches nun zerstört wird. Die sieben Gemälde auf Leinwand wurden in einer Mischtechnik aus Acryl- und Wasserfarbe und traditioneller Stickerei präsentiert. Die Materialität symbolisierte, laut der Künstlerin, die direkte Verbindung der Werke mit der Erde – als manifestierte Verwurzelung des Bildgegenstandes und seiner Ausdrucksform mit dieser.

soundscapes (Soundinstallation)

KÜNSTLER:IN | silent noise (juls und kajuku)

Mit Fieldrecordings aus den Territorien der Social Leader in Kolumbien nahm silent noise die Besu- cher:innen mit auf eine auditive Erkundungsreise durch die Geräuschkulisse verschiedener Territo- rien. Hinzu kamen Auszüge aus Interviews mit den Social Leadern, die während des Kooperations- projekts Tejiendo Paz vom Cambio e.V. und ProTerra entstanden sind. Sie sollten den Zuhörer:innen das Verständnis von Territorien aus Perspektive der interviewten Social Leader näher bringen und zugleich vermitteln, dass man den Territorien sinnlich nachspüren muss, um sie zu verstehen. Im Beitrag behandelte Kernfragen lauteten: Wer ist um mich herum? Was ist um mich herum? Und wie kann ich mich mit den Menschen und der Umwelt um mich herum verbinden, um gemeinsam das Stück Land, das wir bewohnen, nach unseren Bedürfnissen zu gestalten?

Die Aufnahmen waren in Form von Walkmen zugänglich und konnten mit auf einen Spaziergang über das Festivalgelände genommen werden.

vision – territory (Bildinstallation)

KÜNSTLER:IN | silent noise

Als weiteren Ausstellungsbeitrag zeigte das Kollektiv sielent noise eine audio-visuelle Installation aus digital nachbearbeiteten Bildern und Sounds, die die Betrachtenden einlud, in regenerative Ökosysteme aus lateinamerikanischen Territorien einzutauchen.

Paiter Suruí – Gente de Verdade (Fotoserie)

KÜNSTLER:IN | Ubiratan Gamalodtaba Surui

Der Beitrag zeigte in einer Bildfolge von 16 Fotografien, die Beziehung der Surui zum Wald thematisierte. Ihr Fotograf Ubiratan Gamalodtaba Surui gehört zum Volk der Surui und zeigte mit Hilfe seiner Werke das tägliche Leben und den k ulturellen Reichtum seiner Gemeinschaft, sowie ihren Kampf um Sichtbarkeit, da die heimatlichen Gebiete der Suruí von der Abholzung durch staatliche Behörden bedroht werden. Der Beitrag ist von großer Bedeutung, um das Bewusstsein für die nachhaltige Nutzung der Wälder und der Umwelt zu schärfen. Neben dem Beitrag war eine Leseecke eingerichtet, die mit Zeitungsartikeln über die Situation der Suruí informierte.

Páramos and tropical glaciers – perspectives from Colombian territories

KÜNSTLER:INNEN | Laura Cifuentes-Terrepaz Ana Maria Sánchez-Terrepaz M-Latts e.V. Juan Sebastian Barbosa – Geonovato

Dieser Betrag bestand aus einer Fotoausstellung und Erzählungen über ein einzigartiges Landschaftsgebiet, das es nur in Südamerika gibt – den Páramo. Die Fotoarbeiten und Beiträge entstanden in Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen und thematisieren die dort lebenden Menschen und ihre nachhaltige Lebensweise. Für die Kunstschaffenden repräsentieren „Territorien“ geografiche Orte, die durch die Integration kultureller, natürlicher, sozialer und wirtschaftlicher Dynamiken definiert sind. Inklusive und nachhaltige Territorien sind solche, in denen alle beteiligten Dynamiken in Harmonie und im Gleichgewicht sind. Sie werden von einem Wesen des Gemeinschaftlichen bestimmt, dem tiefem Wissen und Respekt für alles, was existiert und das Gebiet zusammensetzt. Die gezeigten Werke sollten den Ausdruck dieses Verständnisses repräsentieren.

Trazos de Tierra – Land Outlines: tracing land (Installation)

KÜNSTLER:IN | Juliana Bohórquez Pinzón (Méraki)

„Trazos de Tierra“ ist eine audio-visuelle Kunstinstallation aus Erzählungen von im Krieg gewaltsam vertriebenen Kolumbianer:innen, die über ihre Territorien und Entwurzelungsgeschichten sprechen. Ziel dieses Projekts war es, eine Nation wieder aufzubauen, die nur noch eine Vorstellung ist. Die Installation ist eine Sammlung von Territorien, Erinnerungen und Erzählungen von Gewalt – In Form von Zeichnungen und dazu gehörigen Tonaufnahmen, die die Künstler:in auf einer Reise durch Kolumbien gesammelt hat. Mittels einer selbst gebauten Box konnte sie die Geschichten entwurzelter Kolumbianer:innen aufnehmen und zugleich filmen, wie diese ihr verlorenes Territorium – den Ort ihrer Heimat und Abstammung – zeichneten. Die so entstandenen Filme zeigten wir im Rahmen der Ausstellung im wiederkehrenden Loop. Zusätzlich wurde eine Dokumentation des Entstehungsprozesses gezeigt, in Form von Fotografien und Texten der Künstlerin.

NEGRUM3 (Kurzfilm)

Kurzfilm | 22:55min | Brasilien | 2018 Regie: Diego Paulino Produktion: Victor Casé Aufnahmeleitung: Zoe Yasmine Kamera: Leandro Caproni Sound: Diana Ragnole Montage: #MatildaMy Titeldesign: Jhonatta Vicente

Dieser Beitrag des Künstlers war ein filmisches Essay über das Schwarzsein, Schwulsein und die Raumansprüche der Kinder der Diaspora. Diego Paulino entwickelte seine audiovisuelle Arbeit an der Schnittstelle von Rasse, Geschlecht und Sexualität: Interviews mit Schwarzen Persönlichkeiten, die über Ästhetik nachdenken und sie als politisches Instrument einsetzen, wechseln in wilder Folge mit performativen Elementen der queeren LGBTQIA+/ Schwarzen Kulturszene aus Sao Paulo. In einer Welt voller Gewalt, so der Regisseur, sei es von unbedingter Notwendigkeit, sichere und inklusive Entfaltungsräume für diejenigen zu schaffen und aufzuzeigen, die nicht Teil der dominanten, unterdrückenden Gesellschaftsschicht sind.

weathering (Video-Installation)

KÜNSTLER:IN | OKTA Collective

THE FOURFOLD (Alisi Telengut) | 7:13min | 2020
OTHER TALKING (Dovile Aleksaite) | 5:09min | 2019
BENEATH THE PRESSURE OF THE SKY (Lucy Kerr) | 10:00min | 2008

Das Screening der drei Kurzfilme vom OKTA Collective präsentierte eine post-anthropozentrische Perspektive, in der die indigenen, symbiotische und relationale Paradigmen neu überdacht und mit einbezogen werden sollten. Die Beiträge lösten sich von rein menschlichen Erfahrungen, um sie durch die Perspektiven der natürlichen Anderen – der nichtmenschlichen, empfindungsfähigen Umwelt – zu erweitern. Indigene Völker auf der ganzen Welt spielten und spielen eine wesentliche Rolle dabei, das Thema des Klimawandels auf die internationale Bühne zu bringen. Da sie sich seit Jahrtausenden mit einer empfindungsfähigen Umwelt auseinandersetzen. Die Künstler:innen wollten im Diskurs über inklusive Territorien auf das indigene Wissen und die politischen Ansprüche der indigenen Gesprächspartner verweisen. Alle drei Filme wurden auf einer großen Leinwand im wiederkehrenden Loop gezeigt.

Yōkais der Dresdner Neustadt – Geisterwesen eines inklusiven Territoriums erwachen zum Leben! (Gemälde, Skulptren & Workshop)

KÜNSTLER:IN – Anne Heinelt

Gezeigt wurden 7 großformatige Gemälde auf Pappe und zwei Skulpturen. Der Lebensort Stadt bietet vielen Menschen mit unterschiedlichsten Wünschen, Bedürfnissen und Hintergründen einen Ort zum Leben. Dieser bunten Vielfalt gab die Künstlerin in unserer Ausstellung ein Gesicht. Die von ihr gezeigten „Yōkais“ sind mythologische Schutzgeister, die symbolisch für verschiedene Phänomene stehen. So können sie Menschen, aber auch geistige Ideen beschützen. In ihrer normalerweise als Street Art in Dresdens Straßen angelegten Kunst, beschäftigt sich Anne Heinelt mit Fabelwesen und Mythologien hiesiger und anderer Kulturen, um zu ergründen, was für geistige Verbindungen und Initiativen entstehen können, wenn sich unterschiedliche Menschen, unabhängig ihrer Herkunft oder von körperlichen Fertigkeiten zusammentun, um die Stadt als einen Lebenswerten Ort zu gestalten.

In einem zusätzlich abgehaltenen Workshop, machte Frau Heinelt die Teilnehmer:innen mit der mythologischen Idee dieser Schutzgeister bekannt und ließ die Teilnehmenden ihre persönlichen Yo- kai-Figuren ausdenken und zeichnen. Der zugrundeliegende Gedanke war, dass Yōkais entstehen, indem Menschen das Bedürfnis entwickeln, an etwas zu glauben und sich für etwas einzusetzen. D.h. nicht nur Künstler:innen können Yōkais erschaffen, sondern jede*r kann seiner*ihrer Fantasie freien Lauf lassen, um „solidarische Geister“ zum Leben zu erwecken. In einem fortlaufenden Prozess entstanden so mit Techniken der Street Art während des Festival Kunstwerke der Teilnehmen- den, die auf dem Festivalgelände zu besichtigen waren und die Ausstellung erweiterten. Im Verlauf beider Veranstaltungstage wirkten etwa 20 Besuchende (insbesondere Kinder) an der Entwicklung neuer Yōkais mit.

Beispiele für gezeigte Werke (Auszug):

SOLIDARITA-YŌKAI Pappe | Acrylfarbe | Lackstifte | 2021 | 160 x 145cm

Er taucht an solchen Orten auf, wo Menschen versuchen, sich gegenseitig in ihrer Vielfalt und Di- versität zu respektieren und sich gegenseitig zu unterstützen, so dass alle gemeinsam ein gutes Le- ben führen können. Dieser Yokai kann in allen möglichen Geschlechtern auftreten und er vermehrt sich schnell, wenn Menschen Solidarität leben. In Krisenzeiten oder in einer Gesellschaft mit zu viel Individualismus gerät der Yokai jedoch schnell auf die rote Liste. Daher muss man sich ihm im- mer wieder besinnen und sich bewusst für ihn einsetzen.

WIELOOKI-YŌKAI Pappe | Acrylfarbe | Lackstifte | 2021 | 160 x 150cm

Der Wielooki Yōkai steht für die Neugier in uns Menschen. Wenn wir auf neue, unbekannte Dinge oder Menschen stoßen, siegt, trotz anfänglicher Skepsis, doch die Neugier und man möchte das Neue kennen lernen. Mit seinen vielen Augen hält er Ausschau nach Unbekannten und ist somit der Türöffner für neue Begegnungen zwischen Menschen und Kulturen. Auch dieser Yokai ist bedroht, wenn es zu viel Vorurteile gegenüber Neuen und Fremden gibt. Daher müssen die Menschen sich bewusst an diesen Yokai erinnern und ihn pflegen, so dass er zu einer Selbstverständlichkeit wird.

Die Baumhausstadt & die Untergrundstadt (Modell & Zeichnung)

KÜNSTLER:INNEN | Hermine, Lise, Nayah, Aniko, Ada, Karl Jakob, Pino, Uma, Tayo, Alvar, Oskar

Die beiden Ausstellungsstücke zeigten Stadtvisionen von Kindern der Freien Alternativschule Dresden, die während ihrer wöchentlichen Umwelt-AG ausgedacht und gebaut wurden. Die Baumhausstadt wurde als Modell ausgestellt, die Untergrundstadt war als großformatiges Bild zu sehen. In beiden Stadtvisionen finden sich keine versiegelten Flächen und viel Platz für die Natur. Sie setzten sich so mit dem Anspruch inklusiver Territorien auseinander, der Natur neben den Bedürfnisse des Menschen gleichberechtigt Raum zu gewähren.

Treebes (Fotoserie)

KÜNSTLER:IN | Sophia Mix

Gezeigt wurde die Schwarz-Weiß-Serie analoger Fotografien einer performative Baumstudie. Ausgangspunkt war die Annahme der Künstlerin, dass Mitgefühl mit allen Lebewesen, den Umgang mit unserem Planeten und dessen Ressourcen ändert. Die Künstlerin lud mit ihren Werken zur direkten Nachahmung ein – Als essentielle Grundübung für ein langfristiges menschliches Überleben auf unserem Planeten. Laut der Künstlerin soll die Bildserie zur Förderung der Empathie mit nichthumanen Lebewesen anregen, ohne die wir nicht existieren könnten.

And so castles out of sand fall in the sea eventually (Installation)

KÜNSTLER:IN | Nancy Hammermeister

Die Künstlerin befragte Menschen nach ihren Lebensträumen, nach ihrer Erfüllung oder Nichterfüllung – nach inneren Territorien des Unterbewussten. In dieser audio-visuellen Installation erzählen sieben Menschen verschiedenen Alters von ihren (Schlaf-)Träumen und Enttäuschungen. Eingebettet wurden die Hörbeiträge in eine raumgreifende Installation aus Sand, die die Besuchenden einlud, sich haptisch und sinnlich mit diesem formbaren, wie spielerischen Element auseinanderzusetzen. In der Auswahl des Materials verfolgte die Künstlerin eine referenzielle Verknüpfung. Zum einen sieht sie Sand als harmloses Ressource, die unbelastete Kindertage prägt(e) und als Bestandteil in alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie Zahnpastas, Spiegeln und Handys zu finden ist, und zu- gleich als Rohstoff dessen Abbau große Konflikte provoziert und andernorts die Lebensräume von Menschen zerstört. Dieser Beitrag knüpfte inhaltlich an den Workshop „Our body as our first territory“ an und thematisiert, wie unsere Gefühle, Erfahrungen und Erinnerungen von soziokulturellen, politischen und ökonomische Faktoren geprägt werden, die unsere Aufbringung und unser Sein beeinflussen.

Wartender II & III

KÜNSTLER:IN | Moussa M’Barek

Dieser Betrag zeigte zwei Linoldrucke des Künstlers Moussa M’Barek und schriftliche Auszüge aus seinem Blog als freischaffender Künstler. Sein bildnerischen wie schriftstellerisches Schaffen setzen sich mit dem Verlust der kulturellen Identität als aus Libyen stammender Tuareg und seinem Status als in Deutschland arbeitender Künstler mit Migrationserfahrung auseinander: Lebensgeschichte, politisches Wirken und das künstlerische Schaffen von Moussa M’Barek sind unmittelbar miteinander verwoben, wie er poetisch in seinem Online-Blog (be)schreibt. Sein Gesamtwerk steht für den Kampf migrantischer Künstler:innen um Legitimität, Integration und die Anerkennung ihrer Sicht- weisen, bzw. Identität in gesellschaftlichen Gefügen, die oft geneigt scheinen, sich diesen Perspekti- ven zu verschließen, denn sie als einen bereichernden Teil ihrer selbst anzuerkennen.

M’Bareks Werk steht für das Verständnis der inklusiven Territorien, dass die Perspektiven sozio-kultureller Vielfältigkeit einer Gesellschaft selbstverständlich und gleichberechtigt ineinander auf- gehen sollen, bzw. nebeneinander bestehen können müssen.

Art Work für die Political Art Days (Zeichnungen, Entwürfe)

KÜNSTLER:IN | Mariana Cortes

Dieser Beitrag zeigte den Prozess des Entwurfs und das finale Design der brasilianischen Künstlerin Mariana Cortes für das Logo der diesjährigen Political Art Days. Der Entwurf reflektiert Austausch- und Annäherungsprozesse wie sie während des Festivals stattfinden sollten, sowie Gedanken über

zyklische Beziehungen des natürlichen Lebens und der Menschen, die sich gegenseitig bedingen, aber einander nicht ausschließen sollten. Mariana ist eine brasilianische Künstlerin, die mit Fotografie, Illustration und Design arbeitet. Ihre Werke sind ein Dialog über die Stadt, den Körper und das Gedächtnis und stellen Überlegungen und Fragen zu diesen Beziehungen an.

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